Nachhaltigkeits-Berater Stephan Grabmeier, der ebenfalls mitdiskutiert, spricht sich dafür aus, mit Kreativität die Zukunft zu gestalten. "Eure Branche hat es geschafft, eine ganze Generation auf 'Geiz ist geil' einzustimmen. Warum nutzen wir nicht diese Kreativpower, um eine enkelfähige, lebenswerte Gesellschaft zu schaffen?" Grabmeier erinnert an die planetaren Grenzen, die unser komplettes System zum Zusammenbruch bringen, wenn wir sie überschreiten. "Es reicht daher nicht, weniger Schaden anzurichten. Wir brauchen eine regenerative Wirtschaft."

Allein die nackten Zahlen sollten auch Unternehmen wie Shell davon überzeugen, in den Umbau ihrer Geschäftsmodelle zu investieren, hofft Fabian Grischkat. Er zitiert eine Studie von Deloitte, wonach bei einem Anstieg der Erdtemperatur um drei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter das BIP in knapp 30 Jahren um 2,5 Prozent geringer ausfallen würde. Das entspräche einem Verlust von 140 Milliarden Euro. Auch wenn die Investitionen hoch seien, überwiegen irgendwann die wirtschaftlichen Chancen.

"Die Tools für den Wandel sind da", sagt Stephan Grabmeier. "Entscheidend sind die Haltung und die Einstellung im Unternehmen" – und zwar auf jeder Ebene: "Jeder Job ist ein Klimajob." In der Kommunikation gehe es darum, positive Zukunftsbilder zu gestalten. Deutschland könne auch schön und innovativ sein, sagt Fabian Grischkat. Gleichzeitig ist es wichtig, ehrlich zu bleiben, auch und vor allem als Unternehmen. "Alle haben Leichen im Keller", sagt Isabelle Rogat. "Da hilft es nur, Fehler zuzugeben und ehrlich zu sein, wie zu einem guten Freund."

Der Begriff der Haltung fällt immer wieder in der Diskussion und auch wenn er in der Debatte rund um Nachhaltigkeit schon viel strapaziert wurde, hat er nichts an Relevanz eingebüßt. Isabelle Rogat bringt es einfach, aber klug auf den Punkt: "Wenn in einem Unternehmen Haltung da ist, dann brauchen wir keine Nachhaltigkeitskampagnen und auch keine Diversitykampagnen." Dann brauche es auch keine Corporate Influencer, denn wenn Unternehmen so aufgebaut seien, dass Menschen gerne Dinge über ihren Arbeitgeber teilen, dann müsse man sie dafür auch nicht extra motivieren.

"Es ist 2023!", ruft Fabian Grischkat ins Publikum. Und damit ist eigentlich alles gesagt. Denn 2023 müssen wir nicht mehr darüber diskutieren, ob sich Diversity in Unternehmen bezahlt macht, oder ob es eine Notwendigkeit zur Transformation gibt. Es bleibt nur die Frage danach, wie der Wandel stattfindet und wie die Botschaften wahr und authentisch kommuniziert werden. "Wir gestalten Sehgewohnheiten", sagt Isabelle Rogat. Das betreffe Körperbilder genauso wie Nachhaltigkeitsbotschaften.


Franziska Mozart
Autor: Franziska Mozart

Sie arbeitet als freie Journalistin für die W&V. Sie hat hier angefangen im Digital-Ressort, als es so etwas noch gab, weil Digital eigenständig gedacht wurde. Heute, wo irgendwie jedes Thema eine digitale Komponente hat, interessiert sie sich für neue Technologien und wie diese in ein Gesamtkonzept passen.