Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Ravensburger Verlag streicht Winnetou-Bücher

Nostalgischer Kult für die einen, kulturelle Aneignung für die anderen: Karl Mays Winnetou-Stoff ist umstritten. Der Ravensburger Verlag hat nun auf Proteste reagiert und die Veröffentlichung seiner Bücher zum neuen Kinofilm zurückgezogen.
© W&V

Die Karl-May-Theaterspiele gehen aktuell wieder in Bad Segeberg und vielen anderen Orten in Deutschland über die Bühne, doch mit einem neuen Kinofilm und den dazugehörigen Kinderbüchern kommt der Wild-West-Stoff des sächsischen Autoren wieder zurück in den breiten Mainstream. Und das, obwohl mittlerweile immer lautere Kritik daran herrscht, dass die Geschichten über Winnetou und seinen "Indianer-Stamm"  kolonialistische Klischees befeuern und indigene Völker Nordamerikas aus weißer Sicht in verzerrtem, verklärtem Licht darstellen.

Schon "Der junge Häuptling Winnetou", der am 11. August in den deutschen Kinos startete, ist – wie der gesamte Stoff – höchst umstritten. Sowohl auf Social Media, in der Presse (von "Woke-Wahnsinn" ist in der "Bild"-Zeitung zu lesen) und sogar der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) sind hitzige Diskussionen entfacht. Die FBW vergab dem Film letztlich das Prädikat "besonders wertvoll", beschrieb auf seiner Presseseite jedoch die "lange Diskussion" der "gespaltenen" Jury.

Ravensburger Verlag streicht nach Protest die Bücher zum Film

Gespalten waren auch die Reaktion auf die gleichnamigen Bücher, die beim Ravensburger Verlag erscheinen sollten – ein reguläres Kinderbuch und eine Erstlesebuch-Version. In den Kommentaren zu dem Instagram-Post, der die Bücher bewerben sollte, hagelte es Kritik. " Wie kann das sein, dass so etwas heute noch auf dem Buchmarkt landet? Habt ihr euch in irgendeiner Weise kritisch damit auseinandergesetzt?", hieß es dort. " Was soll dieses Buch? Es reproduziert rassistische Stereotype, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben", lautete ein weiterer Kommentar. Und: " Bitte nehmt die Kritik ernst. Das hier ist rassistisch. Wie wäre es stattdessen mit einem kindgerechten Sachbuch über Native Americans inklusive rassismuskritischer Einordnung bekannter Stereotype?"

Ernst genommen hat der Verlag die Kritik und nun bekannt gegeben, die Bücher aus dem Programm zu nehmen. " Wir danken Euch für Eure Kritik. Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich", heißt es in dem aktualisierten Instagram-Post.

Ist die Frage weniger das "ob" denn das "wie"?

Diese Entscheidung ruft ebenfalls gemischte Reaktionen hervor. " Gute Entscheidung! Auch vorbildhaft, denn ihr nehmt den wirtschaftlichen Verlust im Kauf, dafür dass ihr den Rassismus und die Kulturelle Aneignung in diesen Büchern nicht spreadet. Die Community hat gesprochen und ihr habt zugehört, finde ich gut, passiert viel zu selten!" heißt es auf der einen Seite. Auf der anderen lautet ein Kommentar: "Ihr nehmt jetzt ernsthaft Winnetou vom Markt??? Ein Buch über die Figur eines Autors, der schon um 1870 (!) den Genozid an der indigenen Bevölkerung Amerikas angeprangert hat, öffentlichkeitswirksam wie kein deutscher Autor vor und nach ihm? Das ist nicht Euer Ernst!" Von Zensur ist die Rede, ebenso wie von überfälliger Auseinandersetzung mit veralteten Stereotypen.

In komplizierter Kritik stehen indes auch immer wieder die Karl-May-Spiele. Ob die in der heutigen Zeit noch existieren sollen, fragt sich auch Ben Hänchen, der seit 30 Jahren auf der Bühne im sächsischen Bischofswerda steht. Es ist der kleinste Spielort für Karl-May-Stücke in Deutschland - gegründet und bis heute geprägt von Hänchens Vater. Spannend, wie die beiden in dem MDR-Podcast "Winnetou ist kein Apache" ins Gespräch kommen. Außerdem kommt der Indigene Kendall Old Elk von der Apsaalooke Nation zu Wort. Abgeschafft werden müssen die Spiele nicht unbedingt, wie dieser sagt – wohl aber von Grund auf überarbeitet in ihrer Darstellung von Indigenen.

Auch beim Ravensburger Verlag gelobte man Besserung. " Unsere Redakteur*innen beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Diversität oder kultureller Aneignung. Die Kolleg*innen diskutieren die Folgen für das künftige Programm und überarbeiten Titel für Titel unser bestehendes Sortiment.", heißt es in dem Instagram-Statement. Man bedaure, dass ein kritischer Umgang mit sensiblen Themen bei den "Der junge Häuptling Winnetou"-Büchern nicht gelungen sei. Das Versprechen: "Wir lernen daraus!"

Neueste Beiträge

RFID-Wagen x Screen x Kassenbon
WuV Community Icon Vom Screen bis zum Kassenbon: Was In-Store Retail Media wirklich bringt
Cyreen und One Tech Group machen In-Store Retail Media programmatisch buchbar und messen den Kaufeffekt bis zum Bon. Eine Studie über 237 Kampagnen zeigt, wann Screens am POS besonders gut wirken. 
5 Minuten
18. Sep 2026
Daten & TV
WuV Community Icon Neue Datenpartnerschaften: So will Seven.One TV adressierbarer machen
Seven.One Media stellt sein datenbasiertes Produktportfolio neu auf und setzt dafür auf neue Datenpartnerschaften - unter anderem mit Criteo und Kleinanzeigen. So sollen Kampagnen auf Joyn, im CTV und in digitalen Umfeldern präziser ausgesteuert werden können. 
2 Minuten
18. Sep 2026
Identity
WuV Community Icon Warum IDs im Open Web an der Buy-Side hängen bleiben
Nach zwanzig Jahren in dieser Branche scheint sich eine Wahrheit hartnäckig zu halten: Das Open Web verliert im Kampf um Werbebudgets weiterhin gegen die Walled Gardens. Laut Jounce Media ist der Anteil der globalen Non-Search-Digitalwerbebudgets, der an Walled Gardens geht, von 42 Prozent im Jahr 2017 auf schätzungsweise 81 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Aber warum überrascht das?
5 Minuten

Das könnte dich auch interessieren

Retail Media
WuV Community Icon Flaconi macht aus Retail Media ein Performance-System
Flaconi baut Retail Media über den eigenen Shop hinaus zur Datenstrategie aus. Wie First-Party-Daten, KI-Steuerung und kanalübergreifende Aktivierung dabei zusammenspielen, erklärt Flaconis VP Retail Media Martin Hoffmann.
6 Minuten
16. Mär 2026
Native Alliance
WuV Community Icon Twiago und Publuence bauen ein Gegengewicht im Native-Markt
Twiago und Publuence bündeln Technik, Publisher-Zugänge und Content-Know-how unter der neuen Marke "Native Alliance". Dahinter steckt mehr als ein neuer Zusammenschluss: Native Advertising soll planbarer, passender und nachhaltiger werden.
6 Minuten
17. Mär 2026
Social Media-Check
WuV Community Icon 22 Millionen TikTok-Impressions: Carlsen setzt auf Doppelstrategie
Booktok, Bookstagram, Community-Hype: Social Media ist für Verlage längst mehr als Begleitkommunikation. Der neue Webnetz-Check zeigt, welche Häuser das verstanden haben und warum Carlsen besonders heraussticht.
6 Minuten
16. Mär 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige