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Lesedauer 4 Min.

Jugend glaubt nicht ans lineare Fernsehen

Erlischt das TV-Lagerfeuer? Laut Media Innovation Report von Next Media nicht sofort, aber innerhalb der nächsten zehn Jahre.
© W&V

Die Mehrheit glotzt immer noch klassisch. Darauf weisen einhellig alle Mediennutzungsstudien der jüngeren Zeit hin, egal, ob sie von ProSiebenSat.1 kommen oder den Landesmedienanstalten oder von Media-Holdings.

Lineares Fernsehen lebt, ist also die Botschaft - aber wie lange noch, fragt der Media Innovation Report von Next Media Hamburg. Ja, 80 Prozent der Deutschen nutzen auch dieser repräsentativen Studie zufolge regelmäßig lineare Bewegtbild-Angebote. Aber es sind nur noch zwei Drittel der 18- bis 29-Jährigen - und ebenso viele aus dieser Altersgruppe glauben, dass das lineare Fernsehen in zehn Jahren tot sein wird.

Die Befragung für Next Media führte Statista im Vorfeld der Bewegtbild-Konferenz New TV Kongress in Hamburg durch.

Die Ergebnisse zeigen, dass über alle Altersgruppen das klassische Fernsehen deutlich dominiert und Videoplattformen (67 Prozent), Mediatheken (59 Prozent) und On-Demand-Anbieter (53 Prozent) abhängt. 

Hinweise auf die Zukunft des Fernsehens liefert die Aufteilung nach Altersgruppen: 87 Prozent der 50- bis 65-Jährigen schauen regelmäßig lineares Fernsehen, 35 Prozent Video-on-Demand.

Die junge Nutzer schauen auch noch fern, immerhin 67 Prozent der 18- bis 29-Jährigen. Sie ziehen Bewegtbild-Inhalte von Videoplattformen wie Youtube (81 Prozent) und VoD (73 Prozent) bei Weitem vor.

Dazu passt, dass die jungen Zuschauer eher als die älteren auf die klassischen Formate verzichten könnten: Weniger als die Hälfte der 18- bis 29-jährigen (44 Prozent) ist der Auffassung, dass Samstagabend-Shows, Talk- & Reality-Shows, Serien und Telenovelas in fünf Jahren noch existieren. 74 Prozent der 50- bis 65-Jährigen meinen, dass in den nächsten fünf Jahren keine dieser klassischen TV-Formate verschwinden werden.

Die Zeiten des gemeinschaftlichen Bewegtbild-Konsums sind vorüber

Gern wird von Fernsehfans und -machern das Bild des Lagerfeuers beschworen: Die Gemeinschaft versammelt sich vor dem Geflimmer und teilt das Erlebnis. Das scheint kein zeitgemäßes Bild mehr zu sein. Nicht nur ändern sich Familienverbände und Haushaltsformen, sondern eben auch die Mediennutzung. Wo jeder alles überall gucken kann, fällt die Grüppchenbildung schwerer, Kontakt bietet ja außerdem das Social Web und ersetzt das eine oder andere persönliche Treffen.

Das trifft auch das Fernseherlebnis, meinen die Studienautoren der Next-Media-Untersuchung: "Die Zeiten des gemeinschaftlichen Bewegtbild-Konsums in Gruppen mit mehr als zwei Personen sind vorbei. Das TV-Lagerfeuer als klassisches Familienritual erlischt allmählich", heißt es da.

Beinahe jeder zweite Deutsche schaut am häufigsten allein (48 Prozent). Das gilt insbesondere für die 18- bis 29-Jährigen (61 Prozent). Auch die ältere Generation (50 bis 65 Jahre) guckt vieil allein (47 Prozent). Der gemeinschaftliche TV-Konsum mit dem Partner folgt bei dieser Altersgruppe allerdings schon knapp dahinter (43 Prozent) und nimmt mit dem Alter zu. Nur noch 11 Prozent der Befragten schauen am häufigsten mit der Familie.

Sind 100 Jahre Fernsehen genug?

Wer mit dem Fernsehen ohne nennenswerte Alternativen bei Bewegtbild großgeworden ist, empfindet es offenbar als ausreichend bis unersetzlich. 70 Prozent der Älteren sind davon überzeugt, dass lineare Fernsehangebote auch die nächsten zehn Jahre überleben. Die Junged prophezeit dem Dino ein rasches Ende: 65 Prozent halten das Aussterben des linearen Fernsehens in den nächsten zehn Jahren für möglich.

Diese repräsentative Studie wurde von Statista im Auftrag von Next Media Hamburg zwischen dem 7. und 12. Januar 2019 durchgeführt und ist der erste Teil des Media Innovation Reports. Mehr zum Thema Bewegtbild gibt es am 28. März beim New TV Kongress, der sein zehntes Jubiläum mit einer Neuausrichtung im Hamburger Oberhafen feiern wird.

Next MediaHamburg ist eine Standortinitiative für Medieninnovation, die die Zusammenarbeit zwischen Medien- und Digitalunternehmen, Hochschulen, ihren Studierenden sowie engagierten Treibern aus Hamburg unterstützt und die Medienbranche stärken will. Die Initiative wird getragen vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg und der Hamburg Kreativ Gesellschaft. 

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