Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Gericht verbietet dm-Labels "umweltneutral" und "klimaneutral"

Ein Waldprojekt in Peru macht noch keine Klimaneutralität, eine teilweise Kompensation für die Herstellung eines Produktes noch keine Umweltneutralität. Die Drogeriemarktkette dm muss Labels wechseln.
© W&V

Keine "klimaneutrale" Flüssigseife, kein "umweltneutrales" Spülmittel - die Drogeriemarktkette dm muss bei ihren Eigenmarken die Labels wechseln. Die Werbung mit diesen Begriffen ist nach einem Urteil des Landgerichts Karlsruhe nicht zulässig. Mit beiden Bezeichnungen auf den Produkten würden bei den Verbrauchern Erwartungen geweckt, die nicht der Realität entsprechen, begründete das Gericht am Mittwoch sein Urteil (Az. 13 O 46/22 KfH).

Damit hatte eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Erfolg. Sie hatte bei einigen so etikettierten dm-Eigenprodukten unter anderem Hinweise vermisst, worin die Klima- oder Umweltneutralität genau besteht. Das sah auch das Gericht so.

Auf eine Internetseite für nähere Informationen zu verweisen, sei zwar zulässig. Der Verbraucher müsse aber auf der Verpackung diesen Hinweis erkennen können. Auch reiche nicht der Verweis auf ein Waldschutzprojekt in Peru. "Der Claim der Klimaneutralität des Produkts geht prinzipiell über das hinaus, was mittels CO2-Zertifikaten aus Waldschutz erreichbar ist", betonte der Vorsitzende Richter Steffen Wesche.

Was den Begriff "Umweltneutralität" angeht, rügte das Gericht einen Verstoß gegen das Irreführungsverbot. "Die Werbung ist überschießend und damit unzutreffend", so der Richter. Die so beworbenen Produkte hätten keine ausgeglichene Umweltbilanz. Auch würden von 13 Wirkkategorien von Umweltbelastungen nur die Kategorien CO2-Emissionen, Nährstoffeintrag, Versauerung, Sommersmog und Ozonabbau erfasst.

"Ein Meilenstein für den Verbraucherschutz"

"Das heutige Urteil gegen die Drogeriemarktkette dm ist ein Meilenstein für den Verbraucherschutz", so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er sprach von einem "wichtigen Erfolg gegen Greenwashing im Handel". Die DUH hat mehr als 20 Unternehmen wegen der Verwendung des Etiketts "Klimaneutralität" verklagt.

dm hat nach eigenen Angaben bereits vor Monaten entschieden, auf das Label "klimaneutral" zu verzichten. Diese Produkte würden derzeit "abverkauft". Die Drogeriemarktkette versteht sich als Vorreiter auf dem Weg zum umweltneutralen Unternehmen. Kerstin Erbe, die für Produktmanagement verantwortliche Geschäftsführerin, sagte: "Wir sind hier umfassend, gesamthaft und pionierhaft unterwegs." Wenn man Dinge in der Kommunikation optimieren könne, werde man dies auch tun. Weil dm einen umweltverträglichen Konsum ermöglichen wolle, habe das Unternehmen die Produktserie "Pro Climate" eingeführt, die mehr als 100 Artikel umfasse. Diese würden nun das neue Siegel "umweltneutral handeln" erhalten. (dpa)

Neueste Beiträge

Werbung in KI-Anwendungen
WuV Community Icon Warum ChatGPT Ads für Werbetreibende noch eine Blackbox sind
Agenturchef Hans Ratzmann testet ChatGPT Ads für Kunden und für seine Agentur. Im W&V-Interview erklärt er, was ihm bei der Steuerung fehlt und welche Aufgaben gesponserte KI-Agenten künftig übernehmen könnten.
7 Minuten
12. Okt 2026
Neue Markenplattform
WuV Community Icon Was hinter Lieferandos Wechsel zum neuen Werbespruch steckt
Mit „Bleib einfach im Moment“ verändert Lieferando seinen Markenauftritt. Gegenüber W&V erklärt das Unternehmen, was aus „Hör ich da Lieferando?“ wird und wie es künftig andere Lieferungen bewirbt.
4 Minuten
12. Okt 2026
Realize ID
WuV Community Icon Taboola-CEO Singolda: Unser Gegenmodell zu Google und Meta
Mit Realize ID will Taboola Kaufabsichten aus Mediennutzung und Anzeigenkontakten vorhersagen. CEO Adam Singolda erklärt den Ansatz und die Unterschiede zu closed Loop-Verfahren von Google oder Meta.
6 Minuten
12. Okt 2026

Das könnte dich auch interessieren

Interview
WuV Community Icon Ulrich Klenke: "Wer Marke nur als Summe seiner Produkte begreift, denkt zu kurz"
Die Telekom ist erneut auf Platz eins beim BrandZ-Ranking. Wir sprachen mit Ulrich Klenke, Chief Brand Officer der Deutschen Telekom, was er aus der Analyse mitnimmt, welche Marken ihn positiv überraschen – und wie man eine Marke aus dem Tal führt.
9 Minuten
12. Mär 2026
Live vom W&V-Summit
WuV Community Icon Die Zukunft des Marketings entscheidet sich nicht am Tool
Sechs Kurzvorträge, sechs Perspektiven, ein gemeinsamer Befund: Das Marketing von morgen wird nicht allein durch KI, Daten und Automatisierung geprägt. Entscheidend wird, ob Unternehmen wieder mutiger innovieren, Marken strategisch führen und Verantwortung neu verteilen.
6 Minuten
12. Mär 2026
W&V Event
WuV Community Icon Top 100 meets Top U33: Die besten Bilder
Kurz vor dem Deutschen Mediapreis trafen sich in München die W&V Top 100 und Top U33 zum Warm-up. So viele inspirierende, tatkräftige und herausragende Persönlichkeiten in einer Location - das sorgte für gute Laune. Wir haben die schönsten Bilder des Treffens.
2 Minuten
12. Mär 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige