Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 5 Min.

Sixt widmet Xavier Naidoo Werbemotiv

Popsänger Xavier Naidoo hat wieder auf den richtigen Weg zurückgefunden. Nach Abstechern ins Querdenkermilieu habe ihn der Ukraine-Krieg zum Umdenken gebracht. Sixt belohnt die Umkehr mit einem neuen Motiv.
© W&V

Einer der prominentesten Köpfe der Querdenker-Szene hat die Seiten gewechselt. Der Mannheimer Sänger Xavier Naidoo bereute in einem Instagram-Video, in welche Ideen er sich in den letzten Jahren verrannt hat. Er sympathisierte nicht nur mit Corona-Leugnern wie Michael Wendler und Attila Hildmann, sondern fiel auch mit rassistischen, antisemitischen und homophoben Äußerungen auf. Er trat mit sogenannten Reichsbürgern auf, verbreitete Theorien der QAnon-Bewegung, judenfeindliche Sätze und polarisierende Äußerungen zur Corona-Pandemie

Der 50-Jährige sagte, er habe sich verrannt. Auslöser für den Sinneswandel sei der Krieg in der Ukraine. Seine Frau stamme aus dem Land und er habe Kontakte und Erfahrungen dort gesammelt. Seine Stellungnahme verbreitete er auch via Youtube. Dort bekam er mehr als 16.000 Likes dafür.

"Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Schärfste", sagte der aus Mannheim stammende Popstar in dem etwas mehr als dreiminütigen Video, das am Dienstagabend veröffentlicht wurde.

"Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage», sagte Naidoo in dem Clip mit dem Titel "#OneLove". Er sei von Verschwörungserzählungen "geblendet" gewesen, habe diese nicht genug hinterfragt und sich "zum Teil instrumentalisieren" lassen.

"Das habe ich leider jetzt erst erkannt. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue", sagte der Musiker. Er habe sich in einer "Blase" befunden.

Naidoo begründete seinen Umschwung nun mit dem Krieg in der Ukraine. "Die Welt scheint wie auf den Kopf gestellt und ich habe mich gefragt, wie es so weit kommen konnte". Er habe viel mit Betroffenen gesprochen - und sich kritischen Fragen zu Äußerungen von sich stellen müssen, wofür er sei dankbar sei. "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe." Ihm sei bewusst geworden, dass er Familie, Freunde und Fans mit "verstörenden Äußerungen irritiert und provoziert habe". Er wolle sich dafür entschuldigen.

Der Autovermieter Sixt, der für seine Werbemotive mit aktuellen Bezügen bekannt ist, kommentiert die Läuterungen mit einem Motiv, das unter anderem via Twitter verbreitet wurde. Stammagentur von Sixt ist Jung von Matt.

Bekannt geworden ist der Soulsänger in den späten 90er Jahren. Mit dem Song "Sie sieht mich nicht" zum Film "Asterix und Obelix gegen Caesar" landete er einen Hit. Zahlreiche seiner Alben erreichten Platz eins der Charts. Auch mit der Gruppe Söhne Mannheims gelangen ihm Erfolge. Naidoo gewann viele Preise, darunter mehrere Echos.

Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 spielte die deutsche Nationalmannschaft zur Erbauung vor den Spielen sein Lied "Dieser Weg" in der Kabine. Als Coach in der Castingshow "The Voice of Germany" (ProSieben und Sat.1) und in der Vox-Sendung "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" war Naidoo auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen und ein TV-Star geworden.

Doch zunehmend kam es zu Kontroversen um den Sänger. Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er in Berlin bei einer Demonstration von "Reichsbürgern" Sogenannte Reichsbürger erkennen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht an und lehnen daher auch ihre Repräsentanten und die geltende Rechtsordnung ab. Naidoo betonte später, dass er mit den "Reichsbürgern" nichts zu tun habe.

Für das Jahr 2016 wollte der NDR den Sänger als deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest (ESC) setzen, ruderte aber schon nach kurzer Zeit im Herbst 2015 nach Protesten zurück. "Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht", sagte der damalige ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. "Wir haben das falsch eingeschätzt."

2020 nahm RTL Naidoo aus der Jury der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Es war ein Video aufgetaucht, in dem zu sehen ist, wie er ein rassistisches Lied singt. Bei Facebook schrieb Naidoo, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Seine Erklärungen reichten RTL jedoch nicht.

Auch als Reaktion auf das neue Video war das Echo jetzt in den sozialen Medien gespalten. Vielen reichten die Ausführungen nicht.

Der Politikwissenschaftler Josef Holnburger schrieb zum Beispiel bei Twitter: "Wenn er sich jetzt tatsächlich distanzieren will, braucht es mehr als ein vages Distanzieren von unbenannten Gruppen und Sichtweisen." Es brauche möglicherweise juristische Konfrontation und Aufarbeitung, meinte Holnburger, einer der Geschäftsführer des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das in sozialen Medien unter anderem Radikalisierungstendenzen und die Verbreitung von Verschwörungserzählungen beobachtet. "Der von ihm verbreitete Antisemitismus ist nicht mit einem Videostatement weg."

Der Publizist Max Czollek twitterte: "Am Ende ist es mir egal, ob #XavierNaidoo durch Geldmangel, öffentlichen Druck oder echte Einsicht zur Erkenntnis gekommen ist, dass sein menschenverachtendes Verschwörungszeug Unsinn ist. Die Szene hat ihre prominenteste Stimme verloren. Und das ist ein Grund zum Feiern."

am/mit Lukas Dubro und Gregor Tholl, dpa

 

Neueste Beiträge

Werbung in KI-Anwendungen
WuV Community Icon Warum ChatGPT Ads für Werbetreibende noch eine Blackbox sind
Agenturchef Hans Ratzmann testet ChatGPT Ads für Kunden und für seine Agentur. Im W&V-Interview erklärt er, was ihm bei der Steuerung fehlt und welche Aufgaben gesponserte KI-Agenten künftig übernehmen könnten.
7 Minuten
12. Okt 2026
Realize ID
WuV Community Icon Taboola-CEO Singolda: Unser Gegenmodell zu Google und Meta
Mit Realize ID will Taboola Kaufabsichten aus Mediennutzung und Anzeigenkontakten vorhersagen. CEO Adam Singolda erklärt den Ansatz und die Unterschiede zu closed Loop-Verfahren von Google oder Meta.
6 Minuten
12. Okt 2026
Twilio-Befragung
WuV Community Icon Was Kunden am KI-Service schätzen und was sie daran stört
Die meisten Unternehmen glauben, ihre Kunden seien mit dem KI-Service zufrieden. Eine Twilio-Befragung fällt dagegen ernüchternder aus. Dabei schätzen Verbraucher durchaus, was die Bots ihnen schon abnehmen.
5 Minuten
12. Okt 2026

Das könnte dich auch interessieren

Anzeige
Reddit: Warum echte menschliche Perspektiven wichtiger sind denn je und was das für Marken bedeutet
KI verändert, wie Menschen suchen, vergleichen und kaufen. Doch Vertrauen in Marken, ihre Botschaften und Produkte entsteht dort, wo echte Erfahrungen geteilt werden. Communitys spielen daher eine wichtige Rolle für erfolgreiche Kampagnen.
5 Minuten
Retail Media
WuV Community Icon Flaconi macht aus Retail Media ein Performance-System
Flaconi baut Retail Media über den eigenen Shop hinaus zur Datenstrategie aus. Wie First-Party-Daten, KI-Steuerung und kanalübergreifende Aktivierung dabei zusammenspielen, erklärt Flaconis VP Retail Media Martin Hoffmann.
6 Minuten
16. Mär 2026
Social Media-Check
WuV Community Icon 22 Millionen TikTok-Impressions: Carlsen setzt auf Doppelstrategie
Booktok, Bookstagram, Community-Hype: Social Media ist für Verlage längst mehr als Begleitkommunikation. Der neue Webnetz-Check zeigt, welche Häuser das verstanden haben und warum Carlsen besonders heraussticht.
6 Minuten
16. Mär 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige