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Lesedauer 5 Min.

Warum die besten Content-Marketing-Profis nicht mehr aus dem Marketing kommen

Die Zukunft des Content-Marketings liegt nicht mehr allein im Verantwortungsbereich des Marketings. Journalisten, Vertriebler, Produktmanager und Berater bringen oft genau das mit, was vielen klassischen Content-Rollen fehlt: Nähe zum Thema und zum Markt sowie eigene Perspektiven.
Wer über tiefes Fachwissen verfügt und gelernt hat, dieses verständlich zu vermitteln, ist deutlich schwerer ersetzbar.
Wer über tiefes Fachwissen verfügt und gelernt hat, dieses verständlich zu vermitteln, ist deutlich schwerer ersetzbar.
© Firmbee-Unsplash

Jahrelang galt Content-Marketing als eigenständige Disziplin mit eigenen Karrierewegen. Unternehmen bauten Content-Teams auf, schufen neue Rollenprofile und suchten Menschen, die schreiben, planen, koordinieren und veröffentlichen konnten. Das funktionierte gut, solange die Produktion selbst die größte Herausforderung darstellte.

Dieses Modell verliert an Bedeutung. Heute entscheidet über den Erfolg von Content nicht die Produktion, sondern die Qualität der Themen, Perspektiven und Erkenntnisse, die darin stecken. Gefragt sind deshalb diejenigen, die etwas Relevantes beizutragen haben.

Die Grenzen des Content-Generalisten

Über viele Jahre haben Unternehmen vor allem Content-Generalisten ausgebildet. Menschen, die von allem etwas konnten: SEO, Social Media, Storytelling, Newsletter, CMS, Analytics. Diese Breite war sinnvoll, weil Content-Marketing als Disziplin erst aufgebaut werden musste. Heute werden die Grenzen dieses Modells sichtbar.

Ein Marketing-Team entwickelt beispielsweise eine LinkedIn-Serie zum Thema „Automatisierung im Mittelstand”. Das Suchverhalten wurde analysiert, Zielgruppen wurden definiert und die Beiträge wurden sauber strukturiert. Die Zahlen stimmen.

Im Gespräch mit dem Vertrieb zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Das Problem vieler Kunden ist nicht die Automatisierung. Sie haben vielmehr Probleme, die notwendigen Investitionen intern zu rechtfertigen und die Verantwortung für die Umsetzung zu übernehmen.

Viele Content-Verantwortliche verfügen zwar über umfangreiche Erfahrung mit Kanälen und Formaten, haben aber vergleichsweise wenig Berührung mit Kunden, Produkten oder strategischen Geschäftsfragen. Dort entstehen die Themen, die Kaufentscheidungen beeinflussen.

CMCX26
© W&V

VERBESSERN SIE IHR CONTENT MARKETING AUF DER CMCX 2026

Wann & Wo: 17. & 18. Juni 2026 | smartvillage Köln

Für wen: Marketing-Entscheider:innen, CMOs, Content- und Social-Media-Verantwortliche

Ticket: ab 699 € 

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Creator Economy in der Praxis: Von KitchenAid bis MediaMarktSaturn — wie Creator-First-Ansätze Marken aufladen und Abverkauf inkrementell steigern
  • Loyale, aber zugleich hoch emotionale Communities wie im Sportbereich richtig ansprechen
  • Markentransformation durch Content: Miss Germany als Fallstudie, Jägermeister als Launch-Case — was Traditionsmarken vom Neuerfinden lernen können
  • CTV als Reichweitenhebel: Wie Marken wie Golden Toast klassische Social-Bubbles verlassen

Speaker:innen u.a.: Jan Flemming (PENNY/REWE Group), Sabrina Oehme (Kloster Kitchen), Steffen Jensen (KitchenAid), Felix Neuberger (Golden Toast/Lieken), Tim Rottländer (iq digital), Lisa Groening (H&M), Tobias Meinhard (MediaMarktSaturn), Daniel Blank & Jette Kilian (We. Communications) uvm.

Dein Ticket jetzt sichern

Wer über künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Fachkräftemangel kommunizieren möchte, braucht mehr als redaktionelles Handwerk. Er muss verstehen, welche Auswirkungen diese Themen im Arbeitsalltag der Kunden tatsächlich haben.

Die Frage lautet deshalb immer häufiger nicht mehr: „Wer kann darüber schreiben?” Sondern: Wer versteht das Thema ausreichend, um etwas Neues beizutragen?

Warum Journalisten wieder gefragt sind

Viele Marketingorganisationen entdecken derzeit Fähigkeiten neu, die lange als selbstverständlich galten. Journalisten lernen, Themen zu recherchieren, Informationen einzuordnen, Experten zu befragen und komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Sie sind darauf trainiert, relevante Entwicklungen von kurzfristigen Aufregerthemen zu unterscheiden. Recherche, Einordnung und Themenverständnis gewinnen also wieder an Bedeutung – und damit die Kompetenzen von Journalisten.

Der Vertrieb als Wissensquelle

Parallel dazu rücken Berufsgruppen in den Fokus, die lange Zeit kaum mit Content-Produktion in Verbindung gebracht wurden. Vor allem der Vertrieb.

Vertriebsteams sprechen täglich mit Kunden. Sie erleben, welche Fragen in Kaufprozessen auftauchen, welche Argumente überzeugen und welche Unsicherheiten Entscheidungen verzögern. Sie wissen, welche Themen tatsächlich Priorität besitzen. Dieses Wissen entsteht nicht in Keyword-Tools oder Redaktionsmeetings. Es entsteht im direkten Kontakt mit dem Markt.

Daraus folgt jedoch nicht, dass Vertriebsmitarbeiter künftig selbst Inhalte produzieren sollten. Ihre Stärke liegt woanders. Sie liefern Einblicke in reale Entscheidungsprozesse, typische Einwände und wiederkehrende Probleme. Content-Teams können auf dieser Grundlage Fachbeiträge, Webinarformate, Studien oder Thought-Leadership-Inhalte entwickeln.

Fachwissen wird zur eigentlichen Währung

Diese Entwicklung verändert auch die Logik vieler Karrierewege. Lange lautete die Formel: Content-Kompetenz plus etwas Fachwissen. Künftig dürfte jedoch das Gegenteil häufiger gelten: Fachwissen plus Content-Kompetenz.

Wer Inhalte produziert, ohne ein Thema wirklich zu verstehen, konkurriert zunehmend mit standardisierten Prozessen und automatisierten Systemen. Wer dagegen über tiefes Fachwissen verfügt und gelernt hat, dieses verständlich zu vermitteln, ist deutlich schwerer ersetzbar.

Deshalb entstehen neue Profile an den Schnittstellen von Marketing, Produktmanagement, Vertrieb, Beratung und Kommunikation.

Die erfolgreichsten Content-Profis der kommenden Jahre werden oft keine klassischen Content-Spezialisten sein. Sie werden in einem Themengebiet echte Expertise besitzen und gelernt haben, diese sichtbar zu machen.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Über Jahre wurden viele Content-Organisationen auf Produktion, Kanäle und Frequenz optimiert. Heute stellt sich jedoch eine andere Frage: Wo entsteht das Wissen, das Kunden tatsächlich interessiert?

Die Antwort liegt im Vertrieb, in Fachabteilungen, im Produktmanagement, in der Beratung oder im Kundenservice. Damit verschiebt sich die Aufgabe von Content-Teams. Es gibt weniger Produktion und mehr Themenarbeit. Es geht weniger um Kanallogik und mehr um Fachverständnis. Wer relevantes Wissen im Unternehmen sichtbar machen kann, wird künftig wichtiger sein als jemand, der lediglich Inhalte produziert.

Dieser Text ist Teil der W&V-Serie zu KI im Content-Marketing, die strategische Perspektiven jenseits der Tool-Diskussion beleuchtet.

Weitere Einblicke zu Content-Strategie, Steuerung und KI-Einsatz diskutiert die Branche am 17. und 18. Juni auf der CMCX in Köln.

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