High-Class Networking auf neuem Niveau

Am Folgetag öffnete der W&V Summit seine Pforten. Die Zusammensetzung des Publikums sprach für sich: ein Großteil der Teilnehmer:innen auf Top-Level-Entscheider:innen-Ebene, darunter vor allem Markenunternehmen und ein hoher Anteil an C-Level-Führungskräften. Die W&V Top 100 Lounge und die Top-U33-Community boten einmal mehr Raum für Austausch jenseits des offiziellen Programms – vertraulich, produktiv, auf Augenhöhe.

Neu im Programm: die W&V Marketing Challenge. Drei eingereichte Cases wurden von Teilnehmenden aus der Top-U33-Community durchdiskutiert und neue Lösungen erarbeitet, so dass die Marken mit handfestem Mehrwert zurück an ihr Business gehen konnten.

In den Deep-Dive-Sessions wurden ausgewählte Themen in die Tiefe geführt – gezieltes Networking mit Gleichgesinnten inklusive. An beiden Tagen herrschte nicht nur eine gelöste Stimmung, sondern auch ein hohes Engagement und Offenheit, um voneinander zu lernen und die brennenden Probleme gemeinsam anzugehen. 

Publicis Group: Agentur des Jahres 2025/2026

Der Abschluss des ersten Konferenztags: die Auszeichnung als Agentur des Jahres. GWA-Präsidentin Larissa Pohl hielt die Laudatio auf die Publicis Group, die mit starkem organischen Wachstum von 5,6 Prozent weltweit und einem Rekordjahr im Neugeschäft überzeugte. Ihr Erfolgsmodell "Power of One" – bereits 2015/2016 initiiert – erwies sich in wirtschaftlich angespannten Zeiten als struktureller Vorsprung. Marken wie Mars, Telefónica o2 und PayPal, aber auch Bestandskunden wie MediaMarktSaturn und Mondeléz setzten auf das integrierte Arbeitsmodell der Gruppe.

Exzellente Panels – die wichtigsten Speaker:innen

Die Qualität der Panels und die Dichte der Speaker:innen markierten den Kern des Summits. Den Auftakt machte Ben Ballensiefen, CEO von Kantar für Deutschland und Zentral-/Osteuropa, mit seiner Keynote "Shape your brand future" – formuliert als Ode in drei Strophen, die ein Leitmotiv des gesamten Summits vorwegnahm: Vertrauen ist das Benzin für starke Marken. Erstmals präsentierte Kantar sein BrandZ-Ranking live auf dem Summit – Jonas Kütt, CMO von Kantar Germany, stellte ein zweistelliges Wachstum der deutschen Top-50-Marken vor. Die Telekom führt mit einem Markenwert von 124,6 Milliarden US-Dollar, Ulrich Klenke stand stellvertretend für ein Team von 200.000 Mitarbeiter:innen weltweit auf der Bühne.

Hochkarätig besetzt war auch das Panel zur Markenführung in volatilen Zeiten: Christian Hahn (Deutsche Telekom), Christine Wolburg (Volkswagen), Sebastian Bayer (dm) und Anja Martensen (The Trade Desk) diskutierten, wie sich die Spielregeln zwar verändern, die Grundlagen erfolgreicher Markenführung aber stabiler bleiben als gedacht. Beim Panel zur Werbewirkung debattierten Daniel Jäger (Deutsche Telekom / OWM), Thomas Töpfer (REWE Group), Christian Zimmer (Welect) und Dirk Bruns (Google Germany) über die unbequeme Wahrheit: Jeder zweite Werbeeuro trifft seine Zielgruppe nicht.

Sechs Kurzvorträge lieferten pointierte Thesen für das Marketing von morgen: Klaus-Peter Schulz (Die Mediaagenturen), Susanne Kunz (OWM), Lisa Groening (H&M), Nils Franzen (Penny / Rewe Group Media), Patricia Kircher (Rügenwalder Mühle) und Véronique Franzen (Publicis Media) sprachen über Innovation, Führung, Medienvielfalt und das neue Selbstverständnis von Agenturen. Das Agentur-Panel mit Florian Haller (Serviceplan) und Nina Haller (Muehlhausmoers) schärfte den Blick auf KI als Beschleuniger eines längst laufenden Umbaus. Im Abschlusspanel diskutierten Christian Loefert (T-Systems), Philipp Westerhoff (Geradin Partners) und Kerstin Niederauer-Kopf (AGF Videoforschung) digitale Souveränität und die Frage, ob der deutsche Werbemarkt noch eigenständig agieren kann.

Das Recap-Video zum W&V Summit 2026

Die besten Panel-Zitate

Ben Ballensiefen, CEO Kantar: "In einer Welt voller AI-Slop wird Wahrheit zum entscheidenden Faktor. Wahrheit ist die Grundlage für Vertrauen – und Vertrauen ist das Benzin für starke Marken."

Christine Wolburg, Brand-Chefin Volkswagen: "Das Marketing verändert sich extrem. Und trotzdem bleibt die Botschaft, die wir setzen wollen, die gleiche."

Sebastian Bayer, dm: "Am Ende des Tages kommt es auf einen einzigen Faktor an. Und das ist das Menschenbild, das wir haben."

Thomas Töpfer, REWE Group: "Wir haben festgestellt, dass neun von zehn Euro eigentlich nicht da ankommen, wo wir hinwollen."

Florian Haller, Serviceplan: "Der Kunde will nicht, dass die Agentur billiger wird, sondern leistungsfähiger. Effizienz muss als besseres Verhältnis von Leistung zu Preis verstanden werden – nicht als bloßes Sparprogramm."

Stephan Giest, CEO Philipp und Keuntje: „KI spart kurzfristig Kosten, aber ruiniert langfristig die Marke.“

Die Key Learnings für CMOs

Vertrauen ist die härteste Währung der Markenführung

In einer Welt, in der KI Content in Sekunden produziert und Desinformation wächst, wird Authentizität zum entscheidenden Markenwert. Starke Marken schaffen Orientierung, weil sie Vertrauen aufgebaut haben – und Vertrauen ist, wie Kantar-CEO Ben Ballensiefen es formulierte, das Benzin für langfristiges Wachstum. Bei den stärksten Marken kann der Markenwert bis zu 50 Prozent des gesamten Unternehmenswerts ausmachen.

Marketing muss in der Sprache des CFO sprechen

CMOs stehen stärker denn je unter Druck, den Beitrag von Marketing zum Unternehmenserfolg zu belegen – in der Sprache der Geschäftsführung. Das bedeutet: nicht nur über Marketing-KPIs sprechen, sondern zeigen, wie Marke zu Revenue, Marktanteil, Preisprämien und Shareholder Value beiträgt. Das Marketingbudget liegt heute im Schnitt bei nur noch 7,7 Prozent des Unternehmensumsatzes – ein Argument für klarere Wirkungsnachweise.

KI macht Kommunikation nicht automatisch besser

KI ist ein Effizienz- und Produktionstreiber, aber kein Ersatz für Strategie und Storytelling. Christian Hahn (Telekom) brachte es auf den Punkt: Sichtbarkeit entsteht nicht durch KI, sondern durch eine vernünftige Geschichte. In einem Markt mit 20 Millionen Werbeeinblendungen pro Sekunde entscheidet am Ende Relevanz und emotionale Verfügbarkeit – nicht die Lautstärke.

Marke und Performance gehören zusammen – nicht gegeneinander

Die 60/40-Regel bleibt aktuell: Wer nicht erst in die Marke investiert, kann später nichts abschöpfen. Nachhaltiges Wachstum entsteht durch die Balance aus langfristigem Markenaufbau und kurzfristiger Aktivierung. Viele ROI-Modelle berücksichtigen nur kurzfristige Effekte – die langfristigen Baseline-Effekte einer starken Marke werden systematisch unterschätzt.

Werbewirkung messen heißt: tiefer bohren

Neun von zehn Werbe-Euro erreichen ihr Ziel nicht – so die ernüchternde Diagnose von Rewe-Media-Experte Thomas Töpfer. Oberflächliche Metriken wie kurze Video-View-Rates erzeugen kaum Memory-Effekte. Die Branche braucht qualitative Wirkungsmessung statt quantitativer Reichweitenlogik – und Standards, die kanalübergreifend vergleichbar machen, was digitale Werbung tatsächlich leistet.

Innovation braucht interne Freiräume statt Absicherungskultur

Die eigentliche Innovationsbremse sitzt nicht im Markt, sondern in den Unternehmen selbst: starre Hierarchien, Silos und eine Fehlerkultur, die Neues verhindert. In wirtschaftlich angespannten Zeiten wäre mehr Investitionsbereitschaft nötig – tatsächlich dominieren Absicherung und Risikovermeidung. Innovationsresilienz ist in unsicheren Zeiten wichtiger als reine Effizienz.

Führung ist ein Wettbewerbsfaktor

Erfolgreiche Organisationen der nächsten Jahre sind nicht jene mit den meisten Tools, sondern jene, die sichere Räume für Widerspruch, Feedback und unfertige Ideen schaffen. Kultur ist kein weiches Randthema – sie ist ein harter Vorteil im Wettbewerb. Lisa Groening (H&M) formulierte es klar: Nicht die lauteste Stimme soll sich durchsetzen, sondern die beste Idee.

Die Zielgruppe 50plus ist der blinde Fleck der Branche

Sie generiert den Großteil der Konsumausgaben in vielen Kategorien, hat die höchste Kaufkraft aller Altersgruppen – und wird in der Werbung weitgehend ignoriert oder mit Klischees bedient. Während ständig neue Studien über Gen Z erscheinen, bleibt die kaufkräftigste Gruppe untererforscht. Nur fünf Prozent der Kreativen in Agenturen sind über 50 – und das zeigt sich.

Agenturen müssen Ownership statt Output verkaufen

Wenn KI standardisierten Output günstiger und schneller produziert, verliert reine Produktion an Wert. Die Agentur der Zukunft verkauft nicht mehr nur Stunden und Ergebnisse, sondern Verantwortung: für Wirkung, für Steuerung, für die sinnvolle Anwendung von Technologie. Wer sich weiterhin über Prozessmasse und abrechenbare Stunden definiert, gerät unter Druck.

Digitale Souveränität ist eine Markt-Infrastrukturfrage

Wenn Reichweite, Daten, Sichtbarkeit und Infrastruktur maßgeblich von internationalen Plattformen abhängen, wächst die Abhängigkeit. Plattformen, die zugleich Anbieter, Messinstanz und Regelsetzer sind, schaffen keine vergleichbaren Marktbedingungen. Unabhängige Reichweitenmessung ist keine Spezialfrage der AGF – sie ist eine Grundlage für fundierte Budgetentscheidungen der gesamten Branche.

Save the Date: W&V Summit 2027

Nach der erfolgreichen Ausgabe 2026 steht bereits der Termin für das nächste Jahr fest. Der W&V Summit 2027 wird wieder in der Motorworld in München stattfinden. Jetzt vormerken – und frühzeitig einen der begehrten Plätze sichern.

Vormerken: 10. & 11. März 2027 | München

Impressionen von zwei Tagen voller Inspiration und Networking

Die top

Die TOP U33

Haltung, Mut und die Fähigkeit, auch unter Druck seinem Kurs treu zu bleiben: Das zeichnet die W&V Top 100 aus. >>> Hier findest Du alle W&V Top 100/2026: Menschen, die vorangehen.

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Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Als Head of Current Content sorgt sie für aktuelle Geschichten, Kommentare und Kampagnen auf wuv.de. Außerdem verantwortet sie das Themengebiet People & Skills.