Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 4 Min.

Springer-Chef Döpfner versucht es mit Entschuldigung

Konzerninterne Nachrichten mit abfälligen Kommentaren des Axel-Springer-Chefs gelangen durch einen Medienbericht an die Öffentlichkeit. Jetzt folgt Tage später eine Entschuldigung.
© W&V

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat für umstrittene Äußerungen in konzerninternen Nachrichten öffentlich um Entschuldigung gebeten. In einem am Samstagabend auf der «Bild»-Webseite veröffentlichten Beitrag «in eigener Sache» schrieb der Medienhaus-Chef: «Ich bitte um Entschuldigung dafür, dass ich mit meinen Worten viele gekränkt, verunsichert oder verletzt habe.» Der Beitrag erschien auch in der «Bild am Sonntag».

Der 60-Jährige reagierte damit direkt auf eine entsprechende Aufforderung von «Bild»-Chefredakteurin Marion Horn. Döpfner schrieb: ««Eigentlich ist eine Entschuldigung fällig, Chef!» Das hat Marion Horn am Samstag in «Bild» geschrieben. Stimmt.»

Die Wochenzeitung «Die Zeit» hatte am Donnerstag über Nachrichten berichtet, die bei Springer konzernintern verschickt worden sein sollen. Das Blatt berief sich auf Dokumente, die aus den vergangenen Jahren stammen sollen. Es handele sich um E-Mails und Chatnachrichten aus dem engsten Führungskreis des Medienkonzerns, viele seien vom Springer-Chef selbst, berichtete die Zeitung.

In den aufgelisteten Zitaten ging es zum Beispiel um abfällige Kommentare über Ostdeutsche oder um Kritik an Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Döpfner soll sich vor der Bundestagswahl auch eine FDP-freundliche Berichterstattung in der «Bild» gewünscht und dies an die Spitze der größten Boulevard-Zeitung Deutschlands adressiert haben.

Der Konzernchef bestätigte indirekt in seinem Beitrag, der die Überschrift «Stimmt!» trägt, dass bestimmte Formulierungen tatsächlich von ihm stammten. ««Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten.» Das ist verletzend. Und wörtlich genommen natürlich Quatsch. «Die» Ossis gibt es nicht. Und selbstverständlich sind sie nicht entweder rechts- oder linksradikal.» Und weiter: «Der Ärger darüber, dass in Thüringen und anderswo so viele entweder Linke oder AfD wählen, verleitete mich zur polemischen Übertreibung.»

Besonders die zitierten abfälligen Kommentare über Ostdeutsche hatten Empörung ausgelöst. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), seine Partei- und Amtskollegin Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern und der thüringische Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) hatten Döpfner scharf kritisiert. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), forderte gar die Ablösung des Springer-Chefs.

Lies dazu auch: Bekannte Ostmarke kontert Döpfner-Statements

Döpfner, der nicht nur Konzernchef ist, sondern auch einen großen Teil der Medienhaus-Anteile hält, schrieb weiter in seinem Beitrag: «Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht - mir gelingt es nicht immer, private Nachrichten im korrekten Ton zu schreiben.»

Der 60-Jährige erklärte sich weiter so: «Wenn ich wütend oder sehr froh bin, wird mein Handy zum Blitzableiter. Ich schicke dann manchmal Menschen, denen ich sehr vertraue, Worte, die «ins Unreine» gesagt oder getippt sind. Weil ich davon ausgehe, dass der Empfänger weiß, wie es gemeint ist. Und weil ich mir nicht vorstellen kann oder will, dass jemand diese Worte an Dritte weitergibt.» Dies sei nun aber geschehen. «Daraus kann man viele Lehren ziehen. Das habe ich getan. Eine davon bleibt die Idee von der «Gedankenfreiheit».»

Auffällig ist in der «Zeit»-Berichterstattung, dass mehrere der aufgeführten Zitate von Döpfner direkt an den früheren «Bild»-Chefredakteur Julian Reichelt gerichtet worden sein sollen.

Dieser musste im Herbst 2021 den Konzern nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs verlassen. Reichelt hatte Vorwürfe bestritten und später von einer «Schmutzkampagne» gesprochen.

Im Raum stehen Überlegungen beider Seiten, rechtliche Schritte einzuleiten. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete vor einigen Tagen unter Berufung auf eigene Informationen, dass Springer seit geraumer Zeit rechtliche Schritte gegen Reichelt prüfe. Der Medienanwalt von Julian Reichelt, Ben Irle - der auch in der «Zeit»-Berichterstattung zitiert wird -, teilte auf dpa-Anfrage wiederum mit, man prüfe seinerseits «strafrechtliche Verfolgbarkeiten von Verhaltensweisen und zivilrechtliche Inanspruchnahmen sämtlicher Beteiligten».

Der «Zeit»-Artikel erschien wenige Tage vor der erwarteten Veröffentlichung eines neuen Buchs von Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre. Das fiktive Werk - es erscheint am Mittwoch -  wird als Schlüsselroman zu dem Medienhaus gehandelt.

 

 

Neueste Beiträge

Brand Diagnostics
WuV Community Icon Reality-TV mit Glamour: Warum Marken auf das HeidiFest aufspringen
Wo Heid Klum auftaucht, gehen die Kameras an. Das Topmodel sorgt mit dem HeidiFest in München auch in diesem Jahr für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff im TV und auf Social Media. Marken wie Lego und Milka sowie Sportalm, Intimissimi und Aigner springen auf den Zug auf.
4 Minuten
22. Sep 2026
Vom D2C-Modell in den stationären Handel
WuV Community Icon Teveo-CEO Christopher Stahl: "Der Store ist beides: ein Geschäft und eine Markenbühne“
Teveo eröffnet Ende 2026 seinen ersten Flagship Store in Köln. CEO Christopher Stahl erklärt, weshalb die digital aufgebaute Sportswear-Marke jetzt in den stationären Handel investiert, welche neuen Kunden sie dort erreichen will und warum der Store trotz seiner Funktion als Markenbühne einen tragfähigen Business Case benötigt.
6 Minuten
22. Sep 2026
Voice AI im Kundenservice
WuV Community Icon 500 Freiminuten: Sipgate will Voice AI in den Mittelstand bringen
Viele Unternehmen beschäftigen sich mit Voice AI, doch der breite Einsatz im Kundenservice kommt nur langsam voran. Sipgate will die Einstiegshürden mit einem Telefonagenten senken, der sich ohne Prompt-Wissen einrichten lässt und monatlich 500 kostenlose Gesprächsminuten bietet.
7 Minuten
22. Sep 2026

Das könnte dich auch interessieren

Retail Media
WuV Community Icon Flaconi macht aus Retail Media ein Performance-System
Flaconi baut Retail Media über den eigenen Shop hinaus zur Datenstrategie aus. Wie First-Party-Daten, KI-Steuerung und kanalübergreifende Aktivierung dabei zusammenspielen, erklärt Flaconis VP Retail Media Martin Hoffmann.
6 Minuten
16. Mär 2026
Social Media-Check
WuV Community Icon 22 Millionen TikTok-Impressions: Carlsen setzt auf Doppelstrategie
Booktok, Bookstagram, Community-Hype: Social Media ist für Verlage längst mehr als Begleitkommunikation. Der neue Webnetz-Check zeigt, welche Häuser das verstanden haben und warum Carlsen besonders heraussticht.
6 Minuten
16. Mär 2026
Native Alliance
WuV Community Icon Twiago und Publuence bauen ein Gegengewicht im Native-Markt
Twiago und Publuence bündeln Technik, Publisher-Zugänge und Content-Know-how unter der neuen Marke "Native Alliance". Dahinter steckt mehr als ein neuer Zusammenschluss: Native Advertising soll planbarer, passender und nachhaltiger werden.
6 Minuten
17. Mär 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige