Die Berechnungen ergeben: Weil Kliemann Höchstgebote annahm, die nach der zuvor angekündigten Frist eingegangen waren, steigerte er den Umsatz um rund 68.000 Euro. Kurz nach der Auktion erreichten den Unternehmer viele E-Mails, viele beschwerten sich auf Twitter. Kliemann entschuldigte sich und behauptete, ihm sei die Uhrzeit einzelner Gebote gar nicht angezeigt worden. Außerdem habe habe er fälschlicherweise geglaubt, er könne sämtliche Auktionen um 20 Uhr auf einen Schlag beenden, habe dann aber alle einzeln überprüfen auf ihre Seriösität überprüfen müssen. Warum ist nicht ganz klar, denn gerade in hochtechnologisierten Bereichen wie Auktionen und Krypto sollte dies automatisiert erfolgen können.

Geprellte könnten Schadenersatzansprüche zum Marktwert geltend machen

Dass bei der Ermittlung der Auktionsgewinner nicht alles glatt gegangen sei, deutete Kliemann damals in einem Blogbeitrag an, das Ausmaß blieb unerwähnt. Heute lässt er sein Vorgehen durch seinen Anwalt rechtfertigen. Dieser schreibt Kontraste, Kliemann habe mit der Auktion Neuland betreten und im Vorfeld nicht damit gerechnet, die Gebote per Klick selber bestätigen zu müssen.

Wie die Tagaesschau weiter berichtet, hat Kontraste mit mehreren Juristen gesprochen, die sich auf NFTs spezialisiert haben. "Wenn die Auktion entsprechend angekündigt wurde, hat derjenige, der um 20 Uhr Höchstbietender war, einen zivilrechtlichen Anspruch darauf, den NFT zu bekommen", sagt Katharina Garbers-von Boehm von der Kanzlei Büsing Müffelmann & Theye gegenüber dem ARD-Magazin. Dafür sei es nun zu spät, denn einige Musikstücke wurden inzwischen für noch mehr Geld weiterverkauft. Nach Einschätzung von Pascal Decker, Partner der Kanzlei dtb, hätten die Geprellten jedoch ein Anrecht auf Schadensersatz, abhängig vom Marktwert der NFTs. 


Alle W&V-Beiträge zum Maskenskandal um Fynn Kliemann in chronologischer Reihenfolge:

6. Mai 2022: Influencer Fynn Kliemann - ein Betrüger?

9. Mai 2022: Fynn Kliemann gerät weiter unter Druck

12. Mai 2022: Auch Toom und Berentzen geben Kliemann den Laufpass

13. Mai 2022: Der Fall Kliemann: Wie geht es weiter im Influencer-Marketing?

23. Mai 2022: Akte Kliemann: Jetzt verliert er seinen Geschäftsführer Tom Illbruck

24. Mai 2022: Fehlerkultur adé! Warum der Fall Kliemann ein Desaster ist

16. Juni 2022: Fynn Kliemann: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

20. Juni 2022: Fynn Kliemann: Jetzt platzt ihm der Kragen


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Autor: Marina Rößer

hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.