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Lesedauer 3 Min.

Thomas Kemmerich polarisiert mit "Winnetou"-Tweet

Der FDP-Politiker macht mit einem Foto deutlich, dass er ein großer "Winnetou"-Fan ist. Und dass er offensichtlich nicht verstanden hat, worum es in der aktuellen Debatte überhaupt geht.
© W&V

Lächelnd sitzt der FDP-Politiker Thomas Kemmerich auf einer Parkbank. In den Händen hält er den ersten Band von Karl Mays "Winnetou". Zu diesem Foto schreibt der 57-Jährige auf Twitter: "Am Ende von Winnetou 3 haben wir alle geweint… Winnetou ging in die ewigen Jagdgründe ein und dennoch ist er unsterblich. Winnetou lebt weiter in unseren Herzen." Versehen ist der Tweet mit dem Hashtag #woke, adressiert sind die Worte an @RavensburgerBVL.

"Sie haben anscheinend nichts verstanden"

Dass Kemmerich über den dritten "Winnetou"-Band schreibt, aber den ersten in Händen hält, ist an dieser Inszenierung das kleinste Problem.

Vielmehr impliziert der FDP-Politiker mit diesem Bild (und dem Hashtag #woke), der Ravensburger Verlag hätte die Original-Bücher von Karl May zurückgezogen.

Das ist natürlich nicht der Fall. Der Verlag hatte auf heftige Kritik zum neuen Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou" reagiert, an der sich sogar die Presse und die Deutschen Film- und Medienbewertung beteiligt hatte. Nachdem die gleichnamigen und ebenfalls neuen Kinderbücher zum Film eine Welle an Protest auf Social Media hervorgerufen haben, hat der Verlag diese zurückgezogen.

Kemmerichs Nähe zur AfD

Mit seinem Tweet verzehrt der Politiker die Tatsachen und kehrt eine wichtige Debatte um kulturelle Aneignung und die Kritik, indigene Völker Nordamerikas aus weißer Sicht in einem verzerrten, verklärten Licht darzustellen, mit rührseligen Worten unter den Teppich. Das wiederum erinnert viele Twitter-Nutzer an Kemmerichs Nähe zur AfD.

Der FDP-Politiker war im Februar 2020 in die Kritik geraten, weil er sich in Erfurt mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen. Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte damals: "Es ist ein großartiger Erfolg für Thomas Kemmerich. Ein Kandidat der demokratischen Mitte hat gesiegt." Kurz darauf trat Kemmerich nach großem politischem Druck – auch aus den eigenen FDP-Reihen – zurück.

Der Twitter-Nutzer k_man_77 fasst die Kritikpunkte aus hunderten Kommentaren in diesem Tweet zusammen:

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